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25 avril 2010 7 25 /04 /avril /2010 18:45

imagesAm 21. April war ich gerade auf dem Heimweg von meinen Ferien, die mit dem Auftreten einer "Schlechtwetterwolke" -was normalerweise kein Problem bereitet- endeten und ein schnelleres Heimkommen diesmal doch verhindert haben. Eigentlich wollte ich Ihnen ein kleines Ratespiel vorstellen "Was wissen Sie über Island?", aber von der letzten Woche ist ein wichtigeres Ereignis übriggeblieben: 

Peter Schneider wurde siebzig, man sieht es ihm nicht an und seine Feder ist so lebhaft und scharf wie immer. Heute lebt er in Berlin, reist viel in der Welt herum, u.a. für seine Gastprofessuren in den Vereinigten Staaten und hat mittlerweile zahlreiche literarische Preise verdient (im wahrsten Sinne des Wortes!).  Sein 2008 erschienenes autobiographisches Werk "Rebellion und Wahn - Mein 68" zeichnet u.a. seine Erfahrungen als politisch engagierter Student auf. Für die Leser, die ihn noch nicht entdeckt haben, hier ein kleiner Rückblick auf sein bewegtes Leben.

Nach einem Germanistik-, Philosophie- und Geschichtsstudium tat sich Peter Schneider mit viel Überzeugung und Energie als Wortführer und Organisator der Berliner Studentenbewegung in den siebziger Jahren hervor, was bei seiner späteren beruflichen Karriere an ihm haften blieb: 1973 wollte man ihm keine Referendarstelle zuteilen. Erinnern wir uns an den sogenannten "Radikalenerlass", auch unter der Bezeichnung "Berufsverbot" bekannt, mit dem die Regierung jede Anstellung im öffentlichen Dienst ablehnte, wenn eine Person die "freiheitliche demokratische Grundordnung" gefährdete, kurz gesagt als "Terrorist" verdächtigt wurde (das hatten wir 1950 mit dem "Adenauer-Erlass" schon einmal....). Unter dem Eindruck des RAF-Terrors wurde diese Maßnahme damals verstärkt eingesetzt und somit auch der linksorientierte Peter Schneider wegen seiner politischen Aktivitäten behelligt. Zu seinem (und unserem) Glück war er aber bereits als freier Schriftsteller tätig und veröffentlichte 1973 das Kultbuch (der Linken) "Lenz", das die Novelle von Büchner neu erzählt: durch die Hauptfigur eines Linksintellektuellen will Schneider uns zeigen, dass politisch radikales Denken und Sensibilität durchaus Hand in Hand gehen können.

Schülern (aber nicht nur denen), welche einen Einstieg in das Werk von Schneider suchen, würde ich besonders zwei oder drei Bücher empfehlen: sein erstes mit dem Titel "Ansprachen", das uns mit Texten der Studentenbewegung konfrontiert, das Drehbuch zum gleichnamigen Film "Messer im Kopf" (1978, mit dem immer wieder genialen Bruno Ganz in der Hauptrolle) und "Der Mauerspringer" (1982), das auf jeden Fall eines der bedeutendsten Bücher zur Teilung Deutschlands bleibt und unter dem Titel "Der Mann auf der Mauer" mit Marius Müller-Westernhagen (als Schauspieler sehr begabt, als Sänger vielleicht weniger....) im gleichen Jahr verfilmt wurde . Gleich einem Hellseher hat Peter Schneider schon vor fast dreißig Jahren geschrieben: "Die Mauer in den Köpfen einzureißen wird länger dauern, als irgendein Abrissunternehmen für die sichtbare Mauer braucht."

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