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17 juillet 2009 5 17 /07 /juillet /2009 11:52

Wenn Sie vor ein paar Jahren den Film "Sprich mit ihr" von Pedro Almodovar gesehen haben, werden Sie sich bestimmt an die eindrucksvolle Anfangsszene erinnern, in der eine hagere, weißgekleidete Frau zu "Oh let me weep" aus Purcells "Fairy Queen" langsam mit dem Rücken an einer Wand heruntergleitet, um schließlich in einer wie verrenkten Position am Boden liegen zu bleiben. Und in der Schlussszene, in der Marco im Theater auf die "wiedergeborene" Alicia trifft, ahnt der Zuschauer, dass sich zwischen beiden eine neue Liebe anbahnen wird: auf der Bühne wird dies durch einen zeitlosen "Reigen" à la Schnitzler angedeutet, zu der Musik von Rufino Almeida. Einige Paare tanzen in einem einfachen, aber sehr rhythmischen Wechselschritt, mit dem die Partner von einem zum anderen übergehen.
Beide Choreographien stammen von Pina Bausch, die Frau in Weiß ist sie selbst. Vielleicht fassen diese Inszenierungen sehr gut Pina Bauschs Kunst zusammen: die subtile Einfachheit, mit der sie menschliche Grundsituationen ausdrückte, weil sie, wie sie selbst sagte "nicht so wunderschöne Worte dafür" hatte. Die öffentlichkeitsscheue, schüchterne Tänzerin hat wie keine andere in ihren legendären Werken wie "Café Müller" (1978) und "Nelken" (1982) die komplizierte Beziehung zwischen den beiden Geschlechtern tänzerisch in Szene gesetzt. Der Dramaturg Heiner Müller erkannte eine tragische Struktur in ihren Aufführungen wieder.
In einer rigorosen Abkehr vom "erzählenden Ballett" waren diese ständig ausverkauft, seit Pina Bausch ab 1973 Chefin des Wuppertaler Tanztheaters war. Die grundlegenden Elemente ihrer Choreographien waren die Verbindung von Tanz, Pantomime und Gesang ebenso wie die Einbeziehung von Tänzern, die nicht unbedingt dem althergebrachten Tanzideal entsprachen (so "Kontakthof - mit Damen und Herren ab 65"
im Jahre 2000). "Mich interessiert nicht so sehr, wie sich Menschen  bewegen, als was sie bewegt." Erstaunlich für eine Choreographin, oder? Die Bühnenbilder waren ebenfalls ein wichtiger Bestandteil ihrer Vision des Tanzes (des Lebens?): Blumen, Erde, Wasser, Zweige und andere Naturelemente durften in ihrer Welt nicht fehlen. Die unnachahmlichen Stimmungen, die ihre Werke beim Zuschauer erzeugten, wurden durch die unterschiedlichsten Musikrichtungen untermalt (Gershwin, Purcell, Gluck, der Tango, Kinderlieder, Schlager, Kurt Weill z.B für "Die sieben Todsünden" von Brecht - um nur einige zu nennen).
Der Tod hat Pina Bausch mitten in ihrer Arbeit überrascht, wir werden sie vermissen: die "Grande Dame" des zeitgenössischen Tanzes ist von der Bühne abgetreten.


Hier eine Kostprobe ihres Könnens, ein Auszug aus einem ihrer letzten Werke, zu dem sie eine längerer Aufenthalt in Indien inspiriert hatte - "Bamboo Blues" (2007):
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